Ich bin krank oder behindert – muss ich dann auch Elternunterhalt zahlen?

Wie ist es, wenn Sie selbst krank oder behindert sind – müssen Sie dann auch Elternunterhalt für einen Elternteil im Heim zahlen?

Zunächst einmal gibt es dann keine Erhöhung der Selbstbehalte bzw. Freibeträge im Elternunterhalt für Sie, auch nicht bei einem bestimmten Grad der Behinderung in Ihrem Schwerbehindertenausweis, Diese betragen zur Zeit für eine alleinstehende Person 1.600 Euro im Monat und für Ehepaare 2.880 Euro. Die Freibeträge beziehen sich auf das sogenannte bereinigte Nettoeinkommen. Dafür dürfen Sie bestimmte Beträge von Ihrem Einkommen abziehen, andere wieder nicht (die genaue Erklärung dazu finden Sie in meinem Ebook „Eltern im Pflegeheim“). Dieser Freibetrag erhöht sich also auch bei einer festgestellten Behinderung oder Erkrankung nicht.

Wenn Sie aber Aufwendungen für Ihre Krankheit oder Behinderung haben, dürfen Sie diese Kosten von Ihrem Einkommen ebenfalls abziehen. Gut ist es, wenn Ihnen Ihr Arzt bescheinigen kann, dass diese Kosten erforderlich sind. Das kann ein Training in einem Sportstudio sein oder Krankengymnastik oder andere Maßnahmen mit Zuzahlung, die von der Krankenversicherung nicht übernommen werden. Auch Eigenanteile für die Beschaffung von Medikamenten gehören dazu.

Behandlungen bei Heilpraktikern und andere alternative Methoden zähle ich ebenfalls dazu – selbst wenn Sie darüber keine Bescheinigung Ihres Arztes erhalten. Auch Fahrtkosten zu Ärzten sollten Sie dem Sozialamt mitteilen. Bei bestimmten Erkrankungen können auch Kosten für eine kostenaufwändige Ernährung hinzukommen, zum Beispiel bei einer Glutenunverträglichkeit.

Wichtig ist, dass Sie alle Kosten (bis auf Fahrtkosten, es sei denn Sie fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln) gegenüber dem Sozialamt belegen können. Sie müssen also Quittungen, Rechnungen oder Ähnliches vorlegen können. Daher empfiehlt es sich, diese über einen längeren Zeitraum zu sammeln und abzuheften.

Manche Sozialämter wollen nur Pauschalen anerkennen. Dies ist meiner Meinung nach nicht richtig, denn wenn Ihnen aufgrund Ihrer Krankheit oder Behinderung diese Kosten entstehen, die ein gesunder Mensch nicht hat, zählen diese zu Ihrem Lebensstandard und müssen anerkannt werden.

Am besten ist es, wenn Sie bei der Auskunfterteilung gegenüber dem Sozialamt ein Begleitschreiben verfassen, in dem Sie aufzählen, welche Kosten Ihnen entstehen. Für Fahrten zu Ärzten, die Sie mit dem Auto zurücklegen, geben Sie die einfache Entfernung zum Arzt an und teilen mit, wie oft im Monat Sie den Arzt aufsuchen. Außerdem fügen Sie bitte alle Belege über Ihre Kosten bei. Gut ist es, wenn Sie sich eine Kopie Ihres Schreibens und aller Belege anfertigen.

Dann warten Sie die Berechnung des Sozialamtes ab. Werden die Kosten nicht oder nur zum Teil anerkannt, können Sie sich immer noch anwaltlich beraten lassen oder überlegen, sich anwaltlich vertreten zu lassen. Dies würde ich von der Beratung abhängig machen. Ich selbst kann Sie auf Wunsch per Email beraten und ich übernehme auch bundesweit – zur Zeit von Oldenburg bis München – Vertretungen gegenüber den Sozialämtern. In der Regel einigen wir uns, ohne dass ein Gericht eingeschaltet werden muss. Das kommt gerade im Elternunterhalt oft vor.

6 Antworten

  1. Norbert Finkbeiner

    Eine Frage: Meine Frau ist 100% Schwerbehindert zählt das auch? oder nur ich als unterhaltspflichtiger.

    Mit freundlichem Gruß Norbert Finkbeiner

    • Iris Suemenicht

      Ein Ehegatte wird bei der Berechnung der Leistungsfähigkeit mit berücksichtigt. Hier gelten im Prinzip die gleichen Grundsätze wie für den Unterhaltspflichtigen.

  2. Charlotte Seidler

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Sie sprechen immer die arbeitende Bevölkerung an. Wie hoch ist denn der Selbstbehalt für Rentner: 1500 oder 1600 €?

    Vielen Dank für eine Nachricht.

    Mit freundlichen Grüßen
    Franziska Seidler

  3. Hallo,
    ich habe meinen Schwerbehindertenfreibtrag (3400 Euro) auf meiner Steuerkarte entragen lassen. Dieser wird mir vom Staat zum Ausgleich meiner Behindeung gewährt. Dadurch entsteht mir logischerweise ein höheres Nettoeinkommen. Meiner Meinung nach wäre es geradezu asozial, wenn das Sozialamt diesen Betrag zur Berechnungsgrundlage hinzuzieht und sich daruch meine Unterhaltspflicht erhöht.
    Gibt es dazu bereits eine Rechtssprechung oder was auch immer?
    Vielen Dank
    Marc

    • Doreen Bastian

      Sehr geehrter Herr Hoppe,

      Ihr Einkommen wird in der Höhe berücksichtigt, wie es sich – ggf. auch unter Berücksichtigung des Freibetrages – tatsächlich ergibt. Eine pauschale Reduzierung aufgrund Ihrer Behinderung erfolgt nicht. Sie können aber ggf. individuelle Kosten als Abzugspositionen geltend machen, die sich durch Ihre Behinderung ergeben.

      Mit freundlichen grüßen

      Doreen Bastian

Hinterlasse einen Kommentar


*