Elternunterhalt: Das Einkommen von Selbständigen

Eingetragen bei: Einkommen bei Selbständigkeit | 9

In diesem Artikel möchte ich erklären, wie im Elternunterhalt das Nettoeinkommen von Selbständigen berechnet wird. Bisher ist jedes Sozialamt, mit dem ich zu tun hatte, nach dieser Methode vorgegangen.

Da das Einkommen von Selbständigen von Jahr zu Jahr schwankt, wird der Elternunterhalt hier auf der Grundlage eines Durchschnittswertes aus drei Jahren berechnet. Sind Sie noch nicht so lange selbständig, nimmt das Sozialamt nur die bisherigen Jahre der Selbständigkeit. Ich gehe jetzt aber für die Berechnung von drei Jahren aus, und erläutere das weiter unten mit einem Beispielfall.

Das brauchen Sie zur Berechnung des Elternunterhalts

Sie benötigen dafür Ihre letzten drei erhaltenen Steuerbescheide. Am Anfang des Jahres 2015, an dem wir uns gerade befinden, sind das üblicherweise die Steuerbescheide für die Jahre 2011, 2012 und 2013. Wenn Sie Gewerbesteuer zahlen, brauchen Sie auch die Jahressummen an Gewerbesteuer für die Jahre 2011, 2012 und 2013.

Sie gehen folgendermaßen vor: Zunächst benötigen Sie den Gesamtbetrag Ihrer Einkünfte. Da das Steuerrecht und das Unterhaltsrecht zwei verschiedene Paar Schuhe sind, nehmen Sie bitte nicht das zu versteuernde Einkommen, das zählt hier nicht. Nur die Gesamtsumme Ihrer Einkünfte ist wichtig. Davon ziehen Sie jeweils für die Jahre 2011, 2012 und 2013 ab, was Sie an Einkommensteuer, Solidaritätszuschlag, Kirchensteuer und gegebenenfalls Kapitalertragsteuer zahlen. Wenn Sie Gewerbesteuer zahlen, müssen Sie diese ebenfalls abziehen, und zwar jeweils nach Jahren getrennt.

Ein Beispielfall zur Einkommensermittlung beim Elternunterhalt:

Jahr 2011
Gesamtsumme der Einkünfte: 50.000 Euro
Abzüge wie oben beschrieben: 10.000 Euro
Restbetrag: 40.000 Euro

Jahr 2012
Gesamtsumme der Einkünfte: 70.000 Euro
Abzüge wie oben beschrieben: 13.000 Euro
Restbetrag: 57.000 Euro

Jahr 2013
Gesamtsumme der Einkünfte: 62.000 Euro
Abzüge wie oben beschrieben: 9.000 Euro
Restbetrag: 53.000 Euro

Als nächstes zählen Sie die Restbeträge zusammen. Das sind hier 150.000 Euro. Diesen Betrag teilen Sie durch drei, und haben so Ihr durchschnittliches Jahreseinkommen. Das sind hier 50.000 Euro. Zur Berechnung des Elternunterhalt brauchen Sie ein Monatseinkommen, also teilen Sie die 50.000 Euro durch 12 Monate. Das ergibt hier ein Monatseinkommen von 4.166,67 Euro. Sind Sie verheiratet, wird die Berechnung Ihrer Leistungsfähigkeit für den Elternunterhalt noch etwas komplizierter. Das erkläre ich Ihnen in meinem Ebook „Eltern im Pflegeheim“ alles ganz genau. Hier würde es aber den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Von dem oben genannten Betrag dürfen Sie nun noch einige Beträge abziehen, so zum Beispiel für Kranken- und Pflegeversicherung und für die Altersvorsorge. Nicht abziehen dürfen Sie Posten, die bereits in den Betriebsausgaben Ihrer selbständigen Tätigkeit enthalten sind, denn das wäre ja ein doppelter Abzug. Der gildet nich, wie wir hier in Westfalen sagen. Auch Steuervorauszahlungen, die Sie leisten, dürfen Sie nicht abziehen, denn diese beruhen ja in der Regel auf dem letzten erhaltenen Steuerbescheid für 2013, und der wurde ja in der Durchschnittswertberechnung bereits berücksichtigt.

Zu Ihrem Einkommen hinzufügen müssen Sie allerdings Steuererstattungen, die Sie für den letzten Steuerbescheid erhalten haben. Angenommen, Sie haben für das Jahr 2013 eine Erstattung in Höhe von 6.000 Euro erhalten. Dann müssen Sie Ihrem Einkommen 500 Euro pro Monat (6.000 Euro geteilt durch 12 Monate) hinzufügen. Steuernachzahlungen dürfen Sie hingegen, ebenfalls als Monatsbetrag, abziehen. Sind Sie verheiratet, setzen Sie Ihre Gesamtsumme der Einkünfte in ein Verhältnis zu der Gesamtsumme der Einkünfte Ihres Ehegatten und ziehen die Nachzahlung anteilig im Verhältnis ab. Der andere Teil wird bei Ihrem Ehegatten abgezogen. Das Gleiche gilt für Steuererstattungen, die werden auch ins Verhältnis gesetzt und anteilig unter den Ehegatten aufgeteilt.

Übrigens: Wenn Ihr Einkommen in Bezug auf den letzten erhaltenen Steuerbescheid stark gesunken ist, weil zum Beispiel Aufträge weggefallen sind, dann reichen Sie am besten einen Nachweis darüber und vielleicht auch eine aktuelle Bilanzierung oder Einnahmen-Überschussrechnung beim Sozialamt ein und bitten es, eine vorläufige Berechnung zu erstellen. Da nämlich eigentlich immer nur Ihr aktuelles Einkommen für die Leistungsfähigkeit entscheidend ist, müsste die Berechnung dann später, wenn die aktuellen Zahlen durch Steuerbescheid vorliegen, geändert werden.

Ich hoffe, ich habe mit diesem Artikel Klarheit geschaffen, was die Ermittlung des Einkommens von Selbständigen im Elternunterhalt angeht.
Das würde mich sehr freuen.

9 Antworten

  1. Vielen Dank für die Info, Frau Suemenicht. Hilft mir weiter.

  2. Martin Hufnagel

    Wie sieht es bei Selbstständigkeit aus mit stark wechseldem Einkommen? In meinem Fall waren die letzten 3 Jahre bis zur Trennung doppelt so gut wie der Durchschnitt aller Jahre zuvor. Bei 30 Jahren Ehe sollte doch dann ein größerer Zeitraum als Bezugswert für Unterhalt und nachehelichem Unterhalt gelten.
    Zählt das Einkommen in der Trennungszeit für Unterhalt/nachehelichem Unterhalt auch oder ist das völlig irrelevant?
    Wenn ich zuerst nach der Trennung mehr Unterhalt geleistet habe als ich gemußt hätte, kann ich dann den späteren Unterhalt entsprechend angleichen bis ist Summe gesamt wieder passt?

    • Doreen Bastian

      Sehr geehrter Herr Hufnagel,

      Ihre Frage betrifft eine individuelle Beratung im Bereich des Ehegattenunterhaltes, die im Rahmen dieses Blogs nicht beantwortet werden kann. Sie sollten sich an einen Anwalt im Familienrecht für eine persönliche Beratung wenden.

      Mit freundlichen Grüßen

      Doreen Bastian

  3. Hallo,

    gilt das Guthaben auf einem Girokonto auch als Schonvermögen oder muss diese gesondert auf einem Sparkonto liegen.

    Danke & Grüße!

    • Doreen Bastian

      Hallo Oliver,

      nach der Rechtsprechung des BGH gilt jede Form der Sparanlage als Altersvorsorge. Wichtig ist natürlich, dass keine entsprechenden Abhebungen erfolgen, da es dann ja gerade nicht für das Alter gespart wird. Da sich viele Sozialämter bereits mit reinen Sparbüchern / Tagesgeldkonten schwer tun, würde ich die Anlage auf ein Girokonto eher nicht empfehlen.

      Liebe Grüße

      Doreen Bastian

  4. Hallo,
    Ich verstehe nicht genau was sie mit nicht-zu-versteuerndes Einkommen meinen. Bei Selbstständigen gibt es Nur die Bezeichnung „Gewinn“. Ich weiß nicht genau was in meinem
    Fall für die Berechnung die Gesammttsumme der Einkünfte sein soll. Wenn ich davon ausgehe,das darunter ALLES fällt, was ich im Laufe eines Jahres eingenommen habe ( ohne Ausgaben) und davon einzig bestimmte Steuern abgezogen werden, dann erscheint es mir nicht einleuchtend. Wo werden meine berufsbedingten Ausgaben berücksichtigt? Bei den Posten,die ich bei der monatlichen Berechnung abziehen kann, dürfen diese ebenfalls nicht abgezogen werden. Ich bin verwirrt und würde Sie bitten,mir diesen Punkt genauer zu erklären.Ds wäre toll!
    Mit freundlichen Grüßen
    Isavella

    • Doreen Bastian

      Hallo Isabella,

      der von Ihnen genannte Gewinn ist das maßgebliche Einkommen, also Einnahmen / Umsätze abzgl. Ausgaben. Im Steuerbescheid ist dieser Gewinn mit Einkünften aus selbstständiger Tätigkeit bezeichnet.
      Jeder Bürger hat sodann teilweise individuelle Freibeträge oder Vorsorgeaufwendungen, die zunächst abgezogen werde. Nach Abzug dieser Beträge ergibt sich dann „das zu versteuernde Einkommen“. D.h. es werden zumeist nicht die gesamten Gewinne versteuert, sondern ein um die Freibeträge etc. reduzierter Betrag.

      Dieses zu versteuernde Einkommen ist also meist geringer als Ihre Einkünfte / Gewinne und ist für die Unterhaltsberechnung unerheblich. Maßgeblich sind Ihre Gewinne bzw. die Einkünfte aus dem Steuerbescheid vor Abzug dieser Freibeträge, Vorsorgeaufwendungen etc. Ihre Ausgaben für die selbstständige Tätigkeit werden also berücksichtigt.

      Liebe Grüße

      Doreen Bastian

  5. Hallo,
    was mich schon immer interessiert hat, wo ich aber keinerlei Informationen gefunden habe: Wie wirken sich betriebliche Einkünfte in Form von Beteiligungen aus. Z.B. Beteiligung an einer Vermietungs-KG o.ä.
    a) Hier wird mir steuerlich ja ein Gewinnanteil zugerechnet – aber u.U. erhalte ich gar keine Ausschüttung von der KG.?
    b) Zählt so ein KG Anteil als verwertbares Vermögen?
    Gruß
    Marcel

    • Hallo Marcel,

      grundsätzlich zählen Gewinne aufgrund von Beteiligungen zum Einkommen. Ob dies ggf. nicht der Fall ist, weil keine Ausschüttung erfolgte, wird im Wesentlichen davon abhängen, weshalb die Ausschüttung unterblieb und ob man eine solche beeinflussen kann. Auch der KG Anteil ist grundsätzlich verwertbares Vermögen.

      Für beide Fragen ist aber letztendlich eine individuelle Beratung erforderlich, die Sie im Bedarfsfalle in Anspruch nehmen sollten.

      Liebe Grüße

      Doreen Bastian

Hinterlasse einen Kommentar


*